

WEIHNACHTS- UND ADVENTSBRÄUCHE
Eine Zeitlang hatte der Adventkranz 24 Kerzen und der Christbaum hing verkehrt von der Decke. Dennoch hat sich eines über die Jahrhunderte gehalten: alljährlich im Dezember, wenn Nebel, Schnee und Eis das Land verhüllen und die Nächte am längsten sind, erwacht die Sehnsucht nach Wärme und Geborgenheit.
Weihnachten
Das Weihnachtsfest (aus dem Mittelhochdeutschen: "ze den wihen nahten": zu den heiligen Nächten) wird in der gesamten christlichen Welt am 25. Dezember gefeiert. Es ist das Fest der Geburt Jesu Christi. Die Feier des Weihnachtsfestes ist bereits 354 n. Chr. in Rom belegt. Der 25. Dezember war bereits bei den Ägyptern, Syrern, Griechen und Römern als Geburtstag des "Sol invicuts" des "unbesiegten Sonnengottes", heilig. Auf diesen Tag fiel auch das Fest der Wintersonnenwende, das sogenannte Julfest der Germanen.
Die junge christliche Kirche feierte ursprünglich am 6. Januar beim Epiphaniasfest (Epiphanie = Erscheinung des Herrn) und war zugleich auch in der christlichen Welt der Jahresanfang. Erst im 4. Jahrhundert n. Chr. nahm das Fest des Geburtstages des Herrn in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember an Bedeutung zu, auch wenn der Ablauf und der tiefere Sinn des Weihnachtsfestes mit dem unserer Tage nur schlecht zu vergleichen ist.
Traditionsgemäß ist der Heilige Abend, die Weihnachtsnacht und der Christag (25.12.) eine Einheit, wobei dem Heiligen Abend (24.12.) mit der Bescherung durch das Christkind bzw. dem Weihnachtsmann die Bescherung stattfand. Der Christbaum fand ab dem 19. Jhdt. allgemeine Verbreitung, womit die Krippe ihre Mittelpunktsfunktion verlor. Mit der Krippe war auch das Singen von Krippen- und Hirtenliedern (bezeugt seit dem 11./12. Jhdt.) sowie den Sternsingerliedern verbunden. Die gebräuchlichsten Weihnachtslieder entstammen dem 18./19. Jhdt., u.a. "O du fröhliche", "O Tannenbaum", "Ihr Kinderlein kommet", "Alle Jahre wieder", "Es wird scho glei dumpa" und das weltweit bekannte Lied "Stille Nacht, Heilige Nacht" (1818).
Der Heilige Abend
Warum die Geburt Jesu Christi auf den 25. Dezember festgelegt wurde, ist nicht mehr festzustellen, zumal der genaue Tag der Geburt Jesu nie ermittelt worden ist. Auch die Bibel gibt keine genaue Auskunft hierüber. Wahrscheinlich ist, dass man zur Zeit der Christianisierung Weihnachten auf den 25. Dezember legte, weil an diesem Tag viele heidnische Feiertage zusammenfielen und man konnte so den Übergang von heidnischem Brauchtum auf die christliche Religion leichter werden lassen.
Das Christfest war zu allen Zeiten ein fröhliches Fest, und diese Fröhlichkeit lebt fort in den Weihnachtsgeschenken, die es immer gegeben hat: als Symbol für die Gabe der Hirten, die herbeieilten, um die Geburt des Herrn zu feiern.
Wen wundert es, dass Weihnachten gerade darum für die Kleinen unter uns das größte Ereignis im Jahr ist, dass Weihnachten für Kinder nicht nur das kirchliche Fest, sondern das Fest der Familie mit seinem Reiz und Zauber und seinen vielen Freuden ist.
Christbaum
Er ist mit etwa 400 Jahren ein noch recht junges Kind in der Familie der Bräuche und löste eine andere Tradition ab. Bevor nämlich der Christbaum eingeführt wurde, hatten die Familien ihre Zimmer wie eine "Sommerlaube" bis zur Decke mit immergrünen Zweigen dekoriert. Später waren es nicht mehr nur Zweige, sondern gleich ganze Bäume, die unter der Decke hingen. Erst im 17. Jahrhundert wurde der Baum so wie heute aufgestellt.
Woher der Brauch stammt und wie es dazu gekommen ist, zu Weihnachen Bäume aufzustellen und sie mit Lichtern und Kugeln zu schmücken und mit kleinen Geschenken zu behängen, ist schwer zu klären. Der Lichterbaum als Mittelpunkt des Weihnachtsfestes ist seit dem späten 16. Jahrhundert belegt, zuerst im Elsass, wo schon damals mit Backwerk und Äpfeln geschmückte Weihnachtsbäume bekannt waren, dann im 18. und 19. Jahrhundert im skandinavischen Norden, und er hat sich seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts über die ganze Welt verbreitet.
In Wien hatte Henriette von Nassau, die Gemahlin Erzherzog Karls, 1816 einen Christbaum für ihre Tochter geschmückt. 1830 sei die Nachfrage nach Christbäumen in Wien schon so groß gewesen, dass die Märkte großen, künstlich mitten in der Stadt aufgebauten Wäldern geglichen hätten.
Christkind
Das Christkind bringt im Süden Deutschlands, Teilen der Schweiz und in Österreich den Kindern die Geschenke. Auch werden die Advents- und Weihnachtsmärkte in diesen Regionen Christkindlmarkt, Christmarkt oder auch Kindleinsmarkt genannt.
Im Gegensatz zum Weihnachtsmann ist das Christkind schon seit langer Zeit unterwegs. Allerdings gehen die Vorstellungen wie denn das Christkind aussieht sehr weit auseinander. Für die einen ist das Christkind, Jesus in der Krippe, die anderen sehen es als einen Engel mit großen Flügeln. Nun es ist eben ein geheimnisvolles Wesen. Das mag auch der Grund sein, warum man sich trotz seiner Bekanntheit, nur wenige Geschichten über das Chriskind erzählt.
Nikolaus
Der echte Sankt Nikolaus lebte 340 nach Christus als Bischof im türkischen Myra. Er galt als barmherzig und sehr mildtätig: Alles, was er besaß und darüber hinaus noch erbetteln konnte, verschenkte er an Arme und an Kinder. Ganze Kontinente, Asien, Europa und Amerika verehren den Bischof aus Myra. In den Ostländern tragen Tausende von Kirchen seinen Namen. In Europa war Nikolaus der am weitesten bekannte Heilige aller Zeiten. Sowohl die orthodoxe Kirche als die Lutherisch- evangelische und die Katholische verehren den Heiligen Nikolaus. Der Heilige einigte während der Religionskriege sogar die Kirchen.
Weihnachtskrippen
Überall auf der Welt, wo Christen die Geburt Jesu feiern, findet sich die Weihnachtskrippe.
Der Legende nach stand die erste Weihnachtskrippe 1223 in der Kirche des heiligen Franziskus von Assisi. Seine Feier fand in Greccio, in einem wirklichen Stall mit Ochs und Esel und einer strohgefüllten Krippe statt, jedoch ohne die Heilige Familie. Die Historiker vermuten als Ausgangspunkt des Brauches die in Rom verwahrten Krippenreliquien, vor denen die Päpste früher den nächtlichen Weihnachtsgottesdienst feierten.
Die große Zeit der Krippen war das Barock. Die Jesuiten bauten gewaltige und wertvolle Krippen. Viele Städte folgten dem Beispiel und bald wollte jede Gemeinde seine eigene Krippe haben. Im 18. Jahrhundert wurde im Zusammenhang mit der Aufklärung und der Säkularisation in Österreich, Franken und Schwaben das Aufstellen von Krippen verboten, was jedoch bei der Bevölkerung wenig Wirkung zeigte. Dadurch fanden die Krippen in den Häusern und Bauernstuben einen neuen Platz.
Als 1825 die Krippenverbote wieder aufgehoben wurden, entwickelte sich das Krippenschnitzen zur gern gesehenen Kunstfertigkeit.
Die Vielfalt der Weihnachtskrippen ist beinahe grenzenlos. Jeder Krippenbauer stellt das Geschehen so dar, als läge Bethlehem vor seiner Haustür. Die Hirten in bayerischen Krippen tragen die üblichen Trachten. In Japan bringen anstelle der Könige Samurais die Geschenke. Bei den Eskimos liegt das Jesuskind auf einem Schlitten, und in Afrika ist das Chriskind schwarz.
Christbaumschmuck
Was wir an die Zweige hängen, erfreut nicht nur das Auge, sondern hat oft auch Symbolgehalt. Dem Weihnachtsbaum wohnte schon immer eine seltsame Faszination inne.
Der duftende Apfel verheißt Sommer mitten im Winter. Die Früchte sind Sinnbild für Fruchtbarkeit. Am Weihnachtsbaum erinnern sie ans Paradies und an das Paradiesische am Weihnachtsfest.
Christbaumkugeln stehen in enger Beziehung zur Apfelsymbolik. Die Glasbläser entwickelten die Kugelform aus kleinen Glasperlen und -früchten. Die perfekte Form steht für Vollkommenheit und Göttlichkeit. Im Reichsapfel findet sie sich als Zeichen für Macht; als Form ohne Anfang und Ende symbolisiert sie Ewigkeit.
Nüsse sind verschlossen und schwer zu knacken, sie sind Sinnbilder für Gottes Ratschluss (im Inneren wohnt das Dunkle, Rätselhafte; vergoldet sind sie strahlend und wirken lebendig). Wir verbinden mit ihnen Gedanken an Natur, Herbst und Fruchtbarkeit.
Geschenke
Kleine Päckchen hängen von alters her am Baum. Sie erinnern an die Gaben der Heiligen Drei Könige für das Kind, symbolisieren Nächstenliebe und Hingabe. Die Christen erinnert das Schenken zudem daran, dass die Geburt des Gottessohnes das größte denkbare Geschenk ist. Daran möchten sie andere symbolisch teilhaben lassen.
Die Geschenktradition ist aber nicht auf den christlichen Raum beschränkt. In die Zeit, in der wir heute Weihnachten feiern, fielen früher die römischen Saturnalien, ein Fest, bei dem Beamte und Sklaven mit Geschenken bedacht wurden. Auch die Wikinger bedachten im Mitwinter während der großen Fruchtbarkeitsfeiern, ihre Gefolgsleute für treue Dienste mit Geschenken.
Ähnlich wie Nüsse sind auch die Tannenzapfen ein Fruchtbarkeitszeichen. Gleichzeitig stehen sie für Jungfräulichkeit und damit auch für die Jungfrau Maria. Manchmal sehen sie aber eher wie Eiszapfen aus und symbolisieren so den Winter.
Der Symbolgehalt von Vögeln wird unterschiedlich interpretiert. Es kommt darauf an, um welche Art es sich handelt: Störche sind Frühlingsboten, Glücks- und Kinderbringer. Käfigvögel symbolisieren Häuslichkeit, Tauben sind Friedensvögel und stehen für Vergeistigung. Eulen gelten als Zaubertiere und Symbole für Weisheit. Radschlagende Pfauen sagt man alle erdenklichen Zauberkräfte nach, ihr schillerndes Gefieder erinnert an die Pracht des Nachthimmels.
Fische sind aus vielerlei Gründen als Weihnachtsschmuck beliebt `“ sie sind alte Symbole für Wasser, Leben und Fruchtbarkeit, und sie erinnern an die biblische Geschichte: Christus speiste einst mit wenigen Fischen ganze Volksscharen. Für die Urchristen war der Fisch das Erkennungszeichen.
Glückssymbole sind beliebte Objekte für den Baumbehang. Besonders nett sind die kleinen Marienkäfer. Ihnen sagt man schon immer eine himmlische Herkunft nach, was auch ihr anderer Name verrät: Herrgottskäfer. Sie bringen nach altem Glauben frohe Botschaften vom Himmel. Wer Geldbeutel an den Baum hängt, hofft natürlich auf finanziellen Segen.
Herzen haben eine klare, einfache Botschaft. Sie sind eine Liebeserklärung an den Betrachter und symbolisieren Liebe, Lust, Freude und Lebenskraft.
Aus Posaunen, den Instrumenten der Engel, wurden Trompeten für den Weihnachtsbaum. Da früher die Nachrichten auf dem Marktplatz verlesen wurden, nachdem die Boten die Menschen mit Trompetensignalen gerufen hatten, signalisieren sie auch gute Neuigkeiten. Außerdem erinnern sie an den alten Brauch, böse Geister mit Getöse auszutreiben.
Sterne versinnbildlichen den Wissensschatz der Astrologie. Sie prangen am Baum als Symbole der Hoffnung auf ein gütiges Schicksal. Strohsterne erinnern daran, dass das Christkind auf Stroh in der Krippe lag. Der Stern auf der Spitze lässt an das Sternenwunder von Bethlehem denken.
Früher wussten die Menschen nur zu gut, wie wichtig Engel sind. Ohne die himmlischen Dienstgeister, das war den Erdbewohnern klar, lief fast nichts in dieser Welt. Engel hielten das Universum im Gang. Fast alle Religionen kennen Engel, die zwischen göttlicher und menschlicher Sphäre vermitteln. An Weihnachten bevölkern goldene und silberne Flügelwesen die Bäume; manche ähneln Feen, andere wirken ernst und mächtig. Sehr häufig thront ein Engel an der Spitze des Christbaums, denn Engel verkündigen nach der Bibel die Geburt des Heilands.
Glocken läuten zur Heiligen Nacht und begrüßen das Neue Jahr. Die erste Kirchenglocke hat in Europa wohl im sechsten Jahrhundert in Italien geläutet. Glocken rufen, jubeln und erinnern. Dass sie vor Gefahren warnen, sind Glocken am Weihnachtsbaum auch als Unglücksverhüter gedacht. Am Heiligabend verkünden sie eine frohe Botschaft: Kommt zum Fest! Kommt zur Bescherung!
Geschenke
Die Geschenke zu Weihnachten haben vielfachen Ursprung. Zu Beginn des neuen Jahres wurden zu Cäsar´s Zeiten im Rom die Beamten von der Bevölkerung beschenkt, die Sklaven erhielten von ihren Herren Gaben im oftmals bereits vorher festgelegten Umfang. Auch im vorchristlichen Brauchtum wurden zum Fest der Wintersonnenwende Gaben dargebracht, um Dämonen vom Haus fernzuhalten oder den Wetter- oder Erntegott günstig zu stimmen.
Mancher sieht in den Geschenken auch ein Symbol für die Gaben der drei Weisen aus dem Morgenlande, die nach der Weihnachtslegende dem eben geborenen Jesuskind ihre Gaben darbrachten.
Sicher ist, dass bereits im 16. und 17. Jahrhundert das Beschenken der Kinder einen festen, wenn auch von Obrigkeit und Kirche nicht immer gern gesehenen Platz einnahm.
Der schönste Weihnachtsbrauch ist gleichzeitig auch der älteste von allen und noch immer lebendig: sich mit anderen von Herzen zu freuen.
Literatur
"Weihnachten - Kultur und Geschichte" von Helga Maria Wolf (Böhlau Verlag Wien)
"Weihnachten im Wandel der Zeit" von Eugen Ernst (Theiss Verlag)
"Stille Nacht - von der Sehnsucht nach der Weihnacht" von Manfred Horvath und Alfred Komarek (Verlag Christian Brandstätter)
"Weihnachten im alten Wien" von Johannes Sachslehner (Pichler Verlag)
"Engelhauch und Sternenglanz" Advent und Weihnachtskalendarium aus Wien (Eigenverlag der Museen der Stadt Wien)
"Christmas Time in Vienna" von Karl Thomas und Brigitte Jirku (Molden Verlag)
"Christbaumschmuck für Sammler" von Elfriede Kreuzberger
"Weihnachtskrippen" von Karl Mayer und Gerald Kapfer (Ennsthaler Verlag)
"Das Steyrer Kripperl" von Alfred Stifter (Verlag Wilhelm Ennsthaler)
"Das Steyrer Kripperl - Ein Puppentheater" von Veronika Handlgruber-Rothmayer (Verlag Wilhelm Ennsthaler)